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Ruanda - Daten und Fakten in
Kürze

Hauptstadt: Kigali (ca. 1 Mio. Einwohner)
Fläche: 26.338 km²
(entspricht der Fläche von Rheinland-Pfalz)
Höhe über NN: 950 -
4500 m
Amtssprache:
Französich, Englisch, Kinyarwanda
Bevölkerung: 2009 10,5
Millionen, davon:
Hutu 85%, Tutsi 14%, Pygmäen
1%
Religionen (Stand 2001): röm. kath. 56 %, evang. 37 %, muslim. 4 %,
trad. afrikanisch 1%
Unter Armutslinie: 55 % - Armutsbekämpfung Agenda 2020
Literacy (Fähigkeit, zu lesen und zu schreiben bei über 15 jährigen): 70 %
HIV-Rate: 2.8% (2007)
Wirtschaftswachstum: 5-7 %, davon 90 % in der Landwirtschaft
Touristische Highlights: größte Berggorillaherde der Welt, Akagera Park,
Regenwald
Ruanda ist Mitglied der Ostafrikanischen Union
Ruanda - das Land
Mit einer
Fläche von 26.338 km² ist
Ruanda nur etwas größer als das
Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. An das Land grenzen im Norden
Uganda, im
Westen der Kongo, im Süden Burundi und im Osten Tanzania.
Das Land wird auch als Land der tausend Hügel
bezeichnet. Die
durchschnittliche Höhe über dem Meeresspiegel
beträgt 1500 Meter. Im
Nordwesten, im Nationalpark der Virunga-Vulkane, erreichen einige Berge
eine
Höhe von über 4000 Meter. In diesem Gebiet leben auch
die letzten Berggorillas.
Bei 18 °C Durchschnittstemperatur und 900-1600
Millimeter Regenfall
pro Jahr ist Ruanda eine klimatische und ökologische Insel im
zentral-
afrikanischen Hochland. Es gibt jedoch kaum noch Regenwald in diesem
Land. Der
letzte Rest, der Nyungwe-Wald, befindet sich im Südwesten.
In Ruanda gibt es drei Amtssprachen: Französisch, Englisch und
Kinyarwanda. Bis
zum Völkermord 1994 lebten 7,5 Millionen Menschen in
Ruanda, somit gehörte
es zu den dichtbesiedelsten Ländern der Welt. Die
Familien sind mit oft
zehn und mehr Kindern sehr kinderreich.
Die größte Stadt und zugleich Hauptstadt des Landes
ist Kigali mit 608.000
Einwohnern. Lediglich 17 Prozent der Bevölkerung lebt in den
Städten, die
restliche Bevölkerung lebt auf dem Land, dass in 11 Provinzen
und 102 untergeordnete
Distrikte eingeteilt ist.
In Ruanda gibt es mehrere Parteien, gegenwärtig sind
insgesamt sieben
Parteien in Regierung und/ oder Parlament vertreten.
Präsident
und
Staatsoberhaupt Ruandas ist Dr. Paul Kagame (FPR), Regierungschef ist
Bernard
Makuza (parteilos).
Das Parlament besteht aus Abgeordnetenhaus mit 80 Sitzen und
Senat mit 26
Senatoren. Die Legislaturperiode des Abgeordnetenhauses
beträgt fünf Jahre, die
Senatoren werden für acht Jahre gewählt.
Ruanda
- die Wirtschaft
Ruanda ist ein reines Agrarland, über 90 % der
Bevölkerung lebt in
ländlichen Gebieten und arbeitet in der Landwirtschaft. Zur
Deckung des
Eigenbedarfs dienen 2/3 der landwirtschaftlichen Nutzfläche.
Angebaut werden
Maniok, Hirse, Mais, Bohnen und an einigen Stellen Reis und Zuckerrohr.
Die
restliche Fläche wird mit Exportgütern (vor allem
Kaffee und Tee) bebaut.
Aber zunehmende Landknappheit und immer wieder länger
andauernde Dürrezeiten
machen der Landwirtschaft zu schaffen.
Ruanda gehört zu den ärmsten Ländern der
Welt. Ein verhängnisvoller
wirtschaftlicher Reformprozess Mitte der 1980er Jahre und der
dramatische
Verfall der Kaffeepreise sowie die Abwertungen des ruandischen Francs
beschleunigten
die Verelendung. Der Völkermord war ein weiterer
Rückschlag für die ruandische
Wirtschaft.
Im Jahre 1999 haben die meisten Wirtschaftsdaten wieder das Niveau der
Zeit vor
dem Völkermord erreicht. Die zu diesem
Zeitpunkt erreichte relative Stabilität
der ruandischen Währung hat dazu beigetragen, dass die
Inflationsrate 1999 bei
5 % lag. Ebenso haben die Straffung und Umorganisation der Zoll- und
Steuerbehörden günstige Rahmenbedingungen
für die wirtschaftliche Entwicklung
geschaffen. Trotzdem ist die Wirtschaft labil, die
Abhängigkeit von
äußerer Hilfe ist nach wie vor sehr groß.
Das Entwicklungsbudget wird zum
Beispiel zu 92 % vom Ausland finanziert.
Bedrückend ist für Ruanda auch die hohe
Auslandsverschuldung, die 1999 bei ca.
1 Mrd. US-Dollar lag, der Hauptgläubiger war dabei die
Weltbank.
Religion
Der Religion kommt in Ruanda eine bedeutende Rolle
zu: Die Mehrheit
der Bevölkerung sind Christen (56 % Katholiken, 12 %
Protestanten), einige sind
Moslems (9%), die übrigen Einwohner (23%) gehören
Naturreligionen, kleineren
Kirchen oder Sekten an.
Hutu
und Tutsi
Die Begriffe „Hutu“ und „Tutsi“
bezeichnen schon lange keine „Stämme“,
keine
Ethnien mehr, da das, was für eine
„Ethnie“ kennzeichnend ist, beiden gemeinsam
ist: Sie sprechen die gleiche Sprache, haben die gleichen Mythen und
die gleiche
Kultur. Auch die Religion ist die gleiche: Die Mehrheit der Hutu und
Tutsi
(über 80 %) gehört einer christlichen Kirche an.
Auch wenn nach den Ureinwohnern, den Twa (weniger als 1%), Hutu und
Tutsi mit
verschiedenem ethnischen Ursprung zu unterschiedlichen Zeiten
ins Land
gekommen sind, haben sie schon vor Jahrhunderten eine
ökonomische und
kulturelle Gemeinschaft mit nur einer Sprache
begründet: Tutsi und Hutu
müssen als sozio-ökonomische und politische, nicht
als kulturelle Einheiten
gesehen werden.
Tutsi waren überwiegend Viehzüchter, Hutu
überwiegend Ackerbauern. Es gab ein
strenges Abhängigkeitsverhältnis zwischen Herren und
Klientel, Reichen und
Armen. Aber die Grenzen waren in der vorkolonialen
Feudalordnung mit
sakralem Königtum durchlässig, Hutu konnten durch
gewissen Reichtum zum Tutsi
werden. Zudem gab es seitdem unzählige Mischehen. Seit dem 19.
Jahrhundert
gilt: Tutsi und Hutu waren politische Identitäten, die sich
veränderten, mit
der sich verändernden Geschichte des ruandischen Staates.
Der
Völkermord 1994
Im schnellsten Völkermord der Weltgeschichte wurden in nur 100
Tagen von April
bis Juni 1994 etwa eine Million Tutsi und
gemäßigte Hutu auf
grausame Weise ermordet. Nie zuvor waren so viele Menschen aus
der Zivilbevölkerung
an den Verbrechen beteiligt: Nachbarn töteten ihre Nachbarn,
Familienangehörige
ihre eigenen Verwandten. Sie waren aufgehetzt von einer jahrelangen
menschenverachtenden Propaganda der damaligen Hutu-Elite, die alle
Tutsi als
"Volksfeinde und Kakerlaken" denunzierte, die man "gründlich
zertreten" müsse. Die Folgen dieses dritten Genozids im 20.
Jahrhundert
sind heute noch überdeutlich: Die gesamte
Gesellschaft ist traumatisiert.
Auslöser dieses Genozid war der Abschuss des Flugzeuges
des damaligen
Präsidenten Juvenal Habyarimana nahe Kigali am 6. April 1994.
Hutu-Milizen
("Interahamwe") übernahmen daraufhin die Macht in Ruanda und
begannen
mit den Massakern an den Tutsi. Im Radio erfolgte der Aufruf, alle
Tutsi zu
töten. Menschen wurden in Kirchen und anderen Orten zusammen
getrieben und
grausam getötet, oft mit vorher ausgegebenen
Macheten.
Der Völkermord geschah unter den Augen der
Weltöffentlichkeit: Ruanda
wurde 1994 von der Weltgemeinschaft schändlich im Stich
gelassen. Zwar war seit
1993 in Kigali eine UN-Friedensmission stationiert, diese erhilt aber
kein
Mandat, in den Völkermord einzuschreiten.
Aber auch
ruandische Kirchenführer hatten versagt: Manche haben
ihre Gemeindeglieder
ausgeliefert und aktiv mit den Völkermördern
zusammengearbeitet.
Aber es gab viele Ruander, die ihr Leben für andere
gefährdeten: So
versteckten sie Tutsi oder starben lieber mit ihnen,
als von ihnen
getrennt zu werden.
Beendet wurden die Massaker, als Paul Kagame (heutiger
amtierender
Präsident) mit der RPF (Ruandische Patriotische Front), die in
Uganda gegründet
wurde, die Macht an sich nahm.
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